Ring 2013 - Bitte gebt mir mein Geld zurück! ...Öl nehme ich auch

 

Dem Stil und dem Niveau der aktuellen Bayreuther Ring-Inszenierung angepasst eine Eindruck und Ideen gebende Kurzkritik in Amazon-Manier :

positiv:

- einige Bilder sind durchaus stimmungsvoll und in sich stimmig/zeitkonform

- Sänger sind auch als Filmschauspieler gebrauchbar

- die Musik ist Regietheater-Regisseur resistent (Augen zu und durch)

 

negativ:

- Regietheater Ideen werden Wagners Werk mit dem Schlaghammer ohne Rücksicht auf (Kunst u.Logik-) Verluste aufgezwungen

- die Regie-Idee geht an der Aussage des Textes und - schlimmer - an der Aussage der Musik vorbei, denn:

- Wagners musikalische Handlung (Motive, dramatische Momente in der Musik) wird vom Bühnengeschehen nicht berücksichtigt und wird somit ihres Sinns, ihrer Dramatik und ihrer partikularen Ästhetik beraubt.

- viele dramaturgische Fehler, Ungereimtes, Sinnloses, Schock- und Effekthascherei.

- die stümperhaft gemachten Videos lenken vom eigentlichen Bühnen- und musikalischen Geschehen ab.

- zu hohe Preise für die Karten : wenn man Tarantino-Kinofilm Niveau bietet, sollte auch der Eintritt nicht mehr als ein Kinobesuch kosten, zumal dort auch noch die Sessel bequemer sind und das Ambiente besser klimatisiert ist.

- Sänger bewegen sich in den extremen Seiten (oder Höhen) der Kulissen, sind von seitlicheren Plätzen im Zuschauerraum (z.B. im Siegfried) länger nicht zu sehen und klingen dann, wie wenn sie in einen Schuhkarton hinein singen.
Wenn der Regisseur bei den Proben einmal von seinem zentral stehenden Regiepult aufgestanden wäre und ein paar Schritte nach links, rechts oder hinten gemacht hätte, wie es jeder Regie-Anfänger lernt, hätte er das sicher bemerkt...

- wenn man ein Stück stark verändert (wie z. B. die dramaturgisch wichtigen Angaben im Libretto ignoriert und aus dem Schwert ein Maschinengewehr macht) , sollte man das auch entsprechend kenntlich machen und schreiben "Adaption nach einer Vorlage von Richard Wagner"

- die Sänger haben keinen Mut dem Regisseur zu sagen, was geht und was nicht. Der Paradiesvogel im Siegfried hat 3 Meter lange Flügel und muss damit durch eine 2,50 Meter hohe Passage laufen, - das sieht auf der Bühne dann sehr ungelenk aus und die Sängerin (und das Publikum) ist mehr mit ihrem Kostüm beschäftigt als mit der Kunst: die Präferenz pro regietheatralischem Aktivismus, die diesbezüglich gesetzt wird, sagt viel über den Regisseur und dessen Team aus.

 

neutral:

- Wagners Werk wird zu jedermanns Werk, d.h. jeder hat das Recht, in einem Werk das zu suchen und hineinzusehen, was ihm passt. Also von der Gesamtkunstwerkidee zur Idee. Wobei mit Idee wirklich nur eine Vorlage, eine grobe Skizze gemeint ist, an der (Ideen-Werkstatt mäßig) gearbeitet werden kann, soll, und, nach Meinung anscheinend aller Bayreuther Regietheater-Regisseure, unbedingt muss.

- durch die Nahaufnahmen der Sänger kann man deren Mimik, etc. besser sehen, was jedoch auch ablenkt (s.o.)

- da das Bayreuth-Niveau (außer bei den Preisen) sinkt, kann man sicher bald problemlos jedes Jahr Karten (z.B. bei ebay) erhalten.

- da sich das Publikum dem Bayreuther-Niveau anpasst, kann man bald in kurzer Hose und T-Shirt in die Vorstellungen gehen. Auch Flip-Flops sind dann endlich genehm. Grelle Hawai-Farben im Zuschauerraum würden das Treiben auf der Bühne perfekt komplettieren. Auf ein kühles Bier, das man passenderweise in der Plastiktüte zusammen mit den Chips rein nimmt (und während der Vorstellung geräuschvoll öffnet), muss man nicht mehr verzichten.

 

... demnächst hier mehr! Diese "moderne Art" der Rezension sollte den Zuschauern der kommenden Ring-Vorstellungen in Bayreuth eine kleine Hilfe sein und Denkanstöße geben.